Wenn Energie teurer und die Versorgung unsicherer wird, gewinnen bewährte Lösungen an Bedeutung. Holzöfen bieten nicht nur behagliche Wärme, sondern auch ein Stück Unabhängigkeit. Vor allem im Zusammenspiel mit modernen Wärmepumpen-Heizsystemen eröffnen sich neue Möglichkeiten. Was Hausbesitzer dazu wissen sollten.
Rund 11,7 Millionen Einzelraumfeuerungsanlagen sind in Deutschland in Betrieb – dazu zählen Kaminöfen, Kachelöfen, Heizkamine und kleine Holzöfen. Sie stehen besonders häufig in Einfamilienhäusern und im ländlichen Raum, wo sie oft als Ergänzung zur Zentralheizung genutzt werden. In Städten ist die Verbreitung deutlich geringer.
Gerade vor dem Hintergrund steigender Energiepreise, einer zunehmend unsicheren Versorgung mit fossilen Energieträgern sowie des wachsenden Wunsches nach mehr Unabhängigkeit – insbesondere in Krisensituationen oder bei Stromausfällen im Winter – rücken diese Heizsysteme wieder stärker in den Fokus. Für viele Hausbesitzer bieten sie eine verlässliche und flexible Möglichkeit, auf unterschiedliche Situationen zu reagieren: sowohl im Alltag ebenso wie in Ausnahmesituationen.
Holzöfen als Ergänzung zur Zentralheizung – auch im Krisenfall
Im Alltag dienen Holzöfen meist als Zusatzheizung oder zur Überbrückung von kalten Tagen in der Übergangszeit. Sie entlasten die Zentralheizung, ermöglichen das flexible Heizen einzelner Räume und können in Zeiten hoher Energiepreise Kosten senken. Besonders davon profitieren können Luft/Wasser-Wärmepumpenheizsysteme, weil die Ofenwärme an sehr kalten Tagen dazu beitragen kann, dass der Wärmeerzeuger energieeffizienter arbeitet.
In Krisen – etwa bei einem Stromausfall, Gasmangel oder Lieferengpässe beim Heizöl – werden sie zu einer verlässlichen Wärmequelle, da sie ohne Netzstrom und digitale Steuerung betrieben werden können. Damit sichern Einzelraumfeuerstätten eine Mindesttemperatur, verhindern Frostschäden und ermöglichen, je nach Modell, sogar einfaches Kochen.
Bei modernen Öfen mit elektronischer Regelung sollte man beim Kauf darauf achten, dass sie sich (notfalls) auch manuell betreiben lassen. Außerdem gibt es auch Pelletöfen, die ohne Stromanschluss auskommen. Die Pelletzufuhr wird dann z. B. mit einer manuell betätigten Kurbel in Gang gesetzt. Auch die Zündung erfolgt von Hand mit Hilfe eines Anzünders. Brennstoffmenge und Heizleistung lassen sich individuell einstellen.
Tipp: Hausbesitzer erhöhen mit einer notstrom- oder ersatzstromfähigen Photovoltaikanlage, inklusive Batteriespeicher, ihre Versorgungssicherheit und ihre Unabhängigkeit vom öffentlichen Stromnetz – auch im Krisenfall und im Winter.

Heizen, Kochen, Backen und Warmwasserbereitung mit Holzwärme
Der Brennstoff Holz hat in den letzten Jahren auch den Küchenbereich zurückerobert – in Form moderner, ansprechender und benutzerfreundlicher Designherde. Das nostalgische Ambiente sowie das charakteristische Aroma von Speisen und Broten in Verbindung mit dem Holzfeuer erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. Viele Modelle kombinieren Feuerstelle, Kochplatten und Backofen in einem Gerät. Tipp: Es sind auch Varianten mit integriertem Wärmetauscher erhältlich, die eine Einbindung in das Zentralheizsystem ermöglichen.
Sicherheitsbewusste Hausbesitzer mit entsprechenden räumlichen Voraussetzungen können zudem einen robusten Badeofen installieren lassen, der mit festen Brennstoffen betrieben wird und so eine autonome sowie kostengünstige Warmwasserversorgung ermöglicht.
Versorgungssicherheit: Holzöfen können das Stromnetz entlasten
Einzelraumfeuerstätten können dazu beitragen, das Stromnetz zu entlasten – insbesondere in Gebäuden, in denen sie mit einer Wärmepumpenheizung kombiniert werden. Dies funktioniert am effektivsten, wenn sogenannte wasserführende Öfen, auch Öfen mit Wassertaschen genannt, zum Einsatz kommen. Diese Modelle verfügen über einen eingebauten Wärmetauscher, der mit einem Pufferspeicher verbunden und dadurch ins Zentralheizsystem integriert wird. Im Betriebsfall wird dann der Großteil der Holzwärme ins Zentralheizsystem und nicht an den Aufstellraum abgegeben. Wird der Ofen gezielt in Zeiten hoher Stromnachfrage betrieben, kann die Wärmepumpe gedrosselt oder vorübergehend abgeschaltet werden. Dadurch sinkt der Strombedarf in Spitzenlastzeiten, was die Netzstabilität verbessert und – insbesondere bei flexiblen Stromtarifen – Kosten reduzieren kann.
Das volle Potenzial entfaltet sich jedoch nur bei einer gezielten Steuerung. Die Einbindung in eine übergeordnete Heizungsregelung, in Energiemanagement- sowie in Smarthome-Systeme erhöht die Effizienz und den Nutzen deutlich.
Tipp: Mit Blick auf die Umweltverträglichkeit und den sparsamen Brennstoffeinsatz sollten Hausbesitzer emissionsarme Geräte mit hohem Wirkungsgrad bevorzugen.

Holzöfen und Resilienz: Warum dezentrale Wärme wichtig ist
Dezentrale Energiequellen wie Holzöfen erhöhen die Widerstandsfähigkeit des Energiesystems. Sie arbeiten unabhängig von zentralen Strom- oder Gasnetzen, nutzen regionale Ressourcen und bleiben auch bei Netzausfällen betriebsbereit. Dadurch sinkt die Anfälligkeit gegenüber Störungen, und die Wärmeversorgung kann auch bei Ausfällen zentraler Infrastruktur aufrechterhalten werden. Holzöfen fungieren somit als verlässliche Rückfallebene und tragen zur Stabilität des Gesamtsystems bei.
Einzelraumfeuerstätten erfüllen somit zentrale Prinzipien moderner Sicherheitsforschung:
- Robustheit: Betrieb auch ohne Strom und unabhängig von zentralen Netzen
- Anpassungsfähigkeit: Einsatz als Reserve bei Ausfall anderer Heizsysteme
- Erholungsfähigkeit: Schnelle Wiederinbetriebnahme ohne komplexe Prozesse
Diese Eigenschaften machen sie zu einem wichtigen Bestandteil einer krisenfesten Energieversorgung.
Psychologische Vorteile: Sicherheit durch unabhängiges Heizen
Neben technischen Aspekten bieten Holzöfen auch soziale und psychologische Vorteile. Ein (teilweise) funktionsfähiges und unabhängiges Heizsystem vermittelt Sicherheit und stärkt das Gefühl der eigenen Handlungsfähigkeit in Ausnahmesituationen.
Dies kann Stress reduzieren und dabei helfen, Unsicherheiten besser zu bewältigen. Gleichzeitig ermöglichen Haushalte mit eigener Wärmequelle Unterstützung im sozialen Umfeld, etwa durch das Bereitstellen von Wärme oder Kochmöglichkeiten. Solche Formen nachbarschaftlicher Hilfe stärken den gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Verfügbarkeit von Brennholz in Deutschland
Holz ist in Deutschland langfristig verfügbar. Die Wälder werden nachhaltig bewirtschaftet, sodass jährlich mehr Holz nachwächst, als genutzt wird. Zusätzlich fällt regelmäßig sogenanntes Kalamitätsholz an, das beispielsweise durch Sturmschäden oder Schädlingsbefall entsteht und energetisch genutzt werden kann.
Die Versorgung mit Brennholz ist dezentral organisiert. Zahlreiche private Waldbesitzer, kommunale Forstbetriebe und regionale Händler sorgen für kurze Transportwege und eine stabile Marktstruktur. In vielen Regionen bestehen zudem Möglichkeiten zur Eigengewinnung von Brennholz.
Diese dezentrale Struktur gilt als besonders krisenfest, da sie weitgehend unabhängig von internationalen Lieferketten ist. Ein weiterer Vorteil ist die gute Lagerfähigkeit: Scheitholz kann über mehrere Jahre, Pellets und Briketts über Monate hinweg bevorratet werden.
Foto: Wolfshöher

Über den Autor
Dipl.-Ing. Jürgen Wendnagel ist Fachjournalist und Experte für Technische Gebäudeausrüstung (TGA). Seit mehr als 25 Jahren begleitet er die Entwicklung von Heiz- und Wärmetechnik, erneuerbaren Energien sowie Lüftungs- und Klimatechnik im Wohngebäude. Für die Initiative „Intelligent heizen“ bewertet er Trends im Wärmemarkt und gibt Hauseigentümern fundierte Orientierung zu Fördermöglichkeiten und gesetzlichen Vorgaben.
