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Begrünte Gebäude: Wenn Fassade, Dach und Technik zusammenspielen

Es grünt so grün

Immer häufiger sieht man an Hausfassaden und auf Hausdächern, dass es grünt. Fassaden- und Dachbegrünung liegen im Trend. Kräftiges Grün oder leuchtende Rot- und Brauntöne im Herbst tun dem Auge gut und tragen zu einer guten Atmosphäre im buchstäblichen Wortsinn bei.

Im Experteninterview „Nachgefragt“ erläutert Dr. Gunter Mann vom Bundesverband GebäudeGrün e. V. Sinn und Zweck einer Begrünung und erklärt, warum Fassade, Gebäudetechnik und Begrünung sehr gut miteinander harmonieren können.

Herr Dr. Mann, welche Möglichkeiten gibt es, Gebäude zu begrünen – und wo lässt sich Begrünung überall einsetzen?

Dr. Gunter Mann: Das Thema Gebäudegrün ist sehr vielfältig. Wir unterscheiden die drei Bereiche Dach-, Fassaden- und Innenraumbegrünung. Bei den Gründächern gibt es zwei Arten: extensive oder intensive Begrünungen. Als Extensivbegrünungen werden naturnahe und weitgehend sich selbst erhaltende Begrünungen bezeichnet. Die hier als Vegetation zum Zuge kommenden Moose, Sukkulenten, Kräuter und Gräser müssen an die extremen Bedingungen auf Dächern angepasst sein und eine hohe Regenerationsfähigkeit aufweisen. Sie benötigen weniger Wurzelraum, Nährstoffe und Wasser, von daher ist der Schichtaufbau von Extensivbegrünungen in der Regel deutlich niedriger und somit auch leichter als bei Intensivbegrünungen. Intensivbegrünungen sind Dachgärten und werden so bezeichnet, weil die Instandsetzung und Wartung (Pflegemaßnahmen) umfangreich sein können. Der Pflanzenvielfalt sind kaum Grenzen gesetzt, ausreichend hohe Schichtdicken vorausgesetzt.

Fassadenbegrünungen lassen sich vereinfacht in die Kategorien einteilen: bodengebundene Begrünung (ohne und mit Kletterhilfen) und wandgebundene Begrünung (vertikale und horizontale Bauweise). Die bodengebundenen Begrünungen erfolgen an einer fertigen Außenwand je nach Klettermodus mit oder ohne Kletterhilfe. Sie sind im wesentlich dadurch charakterisiert, dass die verwendeten Pflanzen „Kletterpflanzen“ sind und eine direkte Verbindung zum gewachsenen Boden haben. Wandgebundene Begrünungssysteme bilden in der Regel die Fassade der Außenwand und ersetzen hier andere Materialien wie Glas, Faserzement, Metalle etc. Sie haben und benötigen keinen Bodenanschluss und eignen sich daher besonders für innerstädtische Bereiche.

Begrünt werden kann nahezu alles, vom großen Firmengebäude, dem Miets- oder Parkhaus, über das Eigenheim bis hin zum privaten Carport oder sogar Müllhäuschen. Es gibt viele Möglichkeiten und die jeweiligen Systeme sind vorhanden.

Was bringt eine Gebäudebegrünung ganz konkret? Welche Vorteile hat sie für Gebäude und Umwelt – und gibt es auch Nachteile?

Dr. Gunter Mann: Gebäudebegrünung vereint eine Vielzahl an positiven Wirkungen, zu denen es seit vielen Jahren wissenschaftliche Untersuchungen mit Zahlen, Daten und Fakten gibt. Als Vorteil für das Gebäude lässt sich zum Beispiel der Schutz der Dachabdichtung aufzählen: Ein Gründach schützt vor UV-Strahlung, starken Temperaturschwankungen, Hagel und anderen Witterungseinflüssen. Dadurch kann sich die Lebensdauer der Abdichtung verlängern. Auch wirken Dach- und Fassadenbegrünungen, je nach Aufbau, als zusätzliche Schutz- und Dämmschicht: Im Winter werden Wärmeverluste reduziert und im Sommer wird der Wärmeeintrag verringert. Die Vegetations- und Substratschicht kann zudem Schall absorbieren und Reflexionen reduzieren. Ein begrüntes Gebäude – innen wie außen – wird oft als Standortplus mit einer verbesserten Außenwirkung wahrgenommen.

Die Vorteile für die Umwelt sind so zahlreich wie die Möglichkeiten der Begrünung. Die Pflanzen kühlen die Umgebung. Sie beschatten Oberflächen und geben über Verdunstung Wasser an die Luft ab. Dadurch können begrünte Flächen die Aufheizung dicht bebauter Innenstädte reduzieren und das Mikroklima verbessern – auch, indem sie Feinstaub binden. Weniger Hitze: Eine begrünte Fläche heizt sich deutlich weniger stark auf als eine unbegrünte. Gründächer, insbesondere Retentionsgründächer, speichern Niederschlagswasser in einer speziellen Dränschicht und geben es zeitverzögert über eine Drossel wieder ab. Dadurch werden besonders bei Starkregenereignissen große Wassermengen zurückgehalten und die Kanalisation deutlich entlastet. Dach- und Fassadenbegrünungen fördern die Artenvielfalt, indem sie Lebensräume für Insekten und Vögel schaffen. Innenraumbegrünungen können zur Steigerung des Wohlbefindens, der Konzentration und der Leistungsfähigkeit und der Reduktion von Stress beitragen. Pflanzen sorgen durch Verdunstung für ein besseres Raumklima und sie absorbieren Schall – die Aufenthaltsqualität steigt.

Als Vorurteil wird leider oft genannt, dass eine Begrünung das Dach oder die Fassade zerstört. Dass das nicht der Fall ist, zeigt sich in der Praxis. So gibt es mittlerweile von nahezu allen Herstellern wurzelfeste Dachabdichtungen. Auch wird keine Fassade beschädigt, sofern eine geeignete Begrünungsform gewählt und diese fachgerecht umgesetzt wird.

Es kann vorkommen, dass die ein oder andere Begrünung nicht mehr intakt ist. In den meisten Fällen liegt es an der fehlenden oder unsachgemäßen Pflege. Diese sollte bereits bei der Planung mitgedacht werden. Nur so kann die Begrünung ihre positive Wirkung entfalten.

Begrüntes Dach oder Photovoltaikanlage: Muss ich mich für eines von beidem entscheiden – oder lässt sich beides miteinander kombinieren?

Dr. Gunter Mann: Gründach und Photovoltaik sind kein Widerspruch. An vielen Beispielen sehen wir, dass beides wunderbar gemeinsam funktioniert. Die Dachbegrünung kühlt die Photovoltaikmodule und erhöht damit deren Wirksamkeit. Bei auflastgehaltenen Modulen sichert das Gründach mit seinem Gewicht das Modul und so muss nicht einmal in die Dachabdichtung/Baukonstruktion eingegriffen werden – und das schützt vor Reparatur- und Sanierungsarbeiten an der Dachabdichtung.

Bei Solargründächern sollte darauf geachtet werden, dass die Pflanzen keinen Schatten auf die Photovoltaikmodule werfen. Das erreichen wir mit aufgeständerten Modulen mit etwa 30 cm Abstand Unterkante PV-Modul zum Dachsubstrat und niedrigwüchsigen Pflanzen. Wichtig sind auch ausreichend großer Reihenabstände zwischen Modulreichen von etwa 80 cm, damit Platz für die Pflege ist und Licht und Regen unter die Module kommen kann.

Über den Interview-Partner

Dr. Gunter Mann ist Präsident & Geschäftsführer des Bundesverband GebäudeGrün e.V. (BuGG).

Der BuGG verfolgt das übergeordnete Ziel, die Dach-, Fassaden- und Innenraumbegrünung einem möglichst breiten Publikum nahezubringen und auf firmenneutralem Wege positive Rahmenbedingungen zu schaffen. Der BuGG ist Fachverband und Interessensvertretung gleichermaßen für das Thema an sich und Unternehmen, Städte, Hochschulen, Organisationen und alle Interessierten rund um die Gebäudebegrünung.

Fotos: Bundesverband GebäudeGrün e.V.

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