Stromausfälle, steigende Energiepreise und der Umbau des Wärmesektors stellen viele Hausbesitzer vor neue Fragen. Welche Heizsysteme funktionieren noch im Ernstfall? Und wie lassen sich Versorgungssicherheit, Klimaschutz und Effizienz sinnvoll verbinden?
Im Interview erklärt Dr. Johannes R. Gerstner, warum moderne Einzelraumfeuerstätten weit mehr sind als reine Zusatzheizungen, welche Rolle sie im Zusammenspiel mit Wärmepumpen spielen können und weshalb neue Technik entscheidend ist, wenn es um emissionsarmes und verantwortungsvolles Heizen geht.
Herr Dr. Gerstner, Ihre Studie zeigt: Bei einem längeren Stromausfall könnten viele Haushalte ohne Wärme dastehen. Was bedeutet das konkret für Hausbesitzer – und wie können sie sich heute darauf vorbereiten?
Dr. Johannes R. Gerstner: Ein längerer Stromausfall ist für viele Gebäude heute ein ernstes Problem, weil die meisten Heizsysteme ohne Strom nicht mehr funktionieren. Selbst Gas- oder Pelletheizungen fallen aus, weil Pumpen und Steuerungen Strom brauchen. Ein Kamin- oder Kachelofen kann dagegen weiterhin betrieben werden und sorgt dafür, dass zumindest ein Teil des Hauses warm bleibt.
In Deutschland gibt es rund 11,7 Millionen Einzelraumfeuerstätten. Hinter diesen Öfen stehen über 25 Millionen Menschen, die im Ernstfall eine netzunabhängige Wärmequelle haben. Diese Geräte sind im Grunde eine vorhandene, dezentrale Wärme-Reserve. In der Sicherheitsforschung spricht man hier von Resilienz: also der Fähigkeit, auch in Krisen handlungsfähig zu bleiben. Versorgungssicherheit und Resilienz sind dabei kein Freifahrtschein, Umweltanforderungen zu ignorieren. Die Zukunft liegt in modernen, emissionsarmen Geräten – aber diese Geräte können gleichzeitig ein wichtiger Baustein der Krisenvorsorge sein.
Viele Menschen denken beim Kaminofen vor allem an Gemütlichkeit. Welche Rolle können moderne Einzelraumfeuerstätten aus Ihrer Sicht im normalen Heizalltag spielen – gerade in Kombination mit Wärmepumpe oder anderen Systemen?
Dr. Johannes R. Gerstner: Wenn wir unser Energiesystem auf erneuerbare Energien umstellen, wird Wärme im Winter eine der größten Herausforderungen. Im Winter haben wir wenig Solarstrom, aber einen hohen Wärmebedarf. Holz ist gespeicherte Sonnenenergie und genau dann verfügbar, wenn wir sie brauchen.
Die Studie zeigt, dass Holzheizungen in Europa bereits rund 18,3 % der Wärme privater Haushalte bereitstellen. Das entspricht etwa 249 TWh Endenergie pro Jahr. Auch in Deutschland leisten Einzelraumfeuerstätten einen wichtigen Beitrag, vor allem als Zusatzheizung und zur Deckung von Spitzenlasten.
Die gesamte Wärmeleistung der rund 11,7 Millionen Einzelraumfeuerstätten in Deutschland wird auf etwa 80 bis 100 Gigawatt geschätzt. Das zeigt die Größenordnung: Diese Geräte sind nicht nur ein Möbelstück im Wohnzimmer, sondern eine relevante Reservekapazität im Wärmesektor. Besonders in Kombination mit Wärmepumpen können sie helfen, Stromspitzen im Winter zu reduzieren und das Energiesystem zu stabilisieren.
Holzöfen stehen immer wieder in der Kritik – vor allem wegen Feinstaub und Umweltbelastung. Wie passt das aus Ihrer Sicht mit dem wachsenden Wunsch vieler Menschen nach nachhaltigem und verantwortungsvollem Heizen zusammen?
Dr. Johannes R. Gerstner: Die Diskussion über Holzöfen wird oft so geführt, als würde man nur über alte Technik sprechen. Dabei hat sich die Technik enorm weiterentwickelt. Moderne Feuerstätten erreichen Wirkungsgrade von 70 bis über 85 Prozent und arbeiten deutlich sauberer als ältere Anlagen.
Zusätzlich gibt es heute Technologien wie elektrostatische Staubabscheider, mit denen sich Feinstaubemissionen massiv reduzieren lassen. Messungen zeigen, dass sich die Feinstaubmasse um etwa 80 Prozent reduzieren lässt und die Anzahl ultrafeiner Partikel sogar um bis zu 90 Prozent und mehr. Moderne Feuerstätte plus Staubabscheider ist deshalb eine sehr emissionsarme Lösung.
Holz ist außerdem ein regional verfügbarer, erneuerbarer und speicherbarer Energieträger. In einem Energiesystem mit viel Wind- und Solarstrom brauchen wir genau solche speicherbaren Energieträger, die unabhängig vom Wetter verfügbar sind. Moderne Kamin- und Kachelöfen können deshalb gleichzeitig zum Klimaschutz, zur Versorgungssicherheit und zur Stabilität des Energiesystems beitragen.
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Über den Interview-Partner
Dr. Johannes R. Gerstner ist Advisor der Initiative #ofenzukunft.
Foto Dr. Gerstner: Initiative #ofenzukunft; Foto Header: Hafnertec
