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Zentrale und dezentrale Wohnungslüftung: Heizkosten senken mit Wärmerückgewinnung

Kontrollierte Wohnungslüftung sorgt auch bei geschlossenen Fenstern automatisch für frische Luft und ein gesundes Raumklima.

Wer neu baut oder ein Wohngebäude energetisch saniert, sollte das Thema Lüftung von Anfang an mitdenken. Zentrale und dezentrale Wohnungslüftungssysteme schützen die Bausubstanz und die Gesundheit der Bewohner und senken dank Wärmerückgewinnung die Heizkosten. Wir erläutern, welche technischen Optionen und Einsparpotentiale möglich sind.

Moderne Wohngebäude unterscheiden sich grundlegend von den Häusern früherer Jahrzehnte. Hochwertige Fenster, luftdichte Gebäudehüllen und eine verbesserte Wärmedämmung senken den Energieverbrauch erheblich. Gleichzeitig reduziert sich jedoch der natürliche Luftaustausch über Fugen und Undichtigkeiten nahezu vollständig.

Weshalb sind Wohnungslüftungssysteme wichtig?

Damit entsteht ein Zielkonflikt: Einerseits soll möglichst wenig Heizwärme verloren gehen, andererseits müssen Feuchtigkeit, Kohlendioxid, Gerüche und Schadstoffe zuverlässig aus dem Gebäude abgeführt werden. Erfolgt dies nicht ausreichend, drohen Feuchteschäden, Schimmelbildung und eine dauerhaft verminderte Raumluftqualität.

Kontrollierte Wohnungslüftungssysteme lösen dieses Problem. Sie sorgen unabhängig vom Nutzerverhalten für den erforderlichen Luftwechsel, schützen die Bausubstanz und erhöhen den Wohnkomfort. Bauherren und Sanierer sollten sich deshalb frühzeitig darüber informieren, ob ein maschinelles Lüftungssystem notwendig oder sinnvoll ist.

Zwei generelle Wege zum kontrollierten Luftaustausch

Bei Wohngebäuden kommen zentrale und dezentrale Wohnungslüftungssysteme zum Einsatz. Beide verfolgen dasselbe Ziel: Sie führen verbrauchte Luft kontrolliert aus dem Gebäude ab und versorgen die Wohnräume mit frischer Außenluft. Unterschiede bestehen vor allem beim Anlagenaufbau, beim Installationsaufwand und bei den Möglichkeiten der Luftverteilung.

Zentrale Lüftungssysteme versorgen eine gesamte Wohneinheit oder ein komplettes Gebäude über ein Luftkanalnetz. Dezentrale Systeme arbeiten dagegen raumweise und kommen ohne aufwendige Luftverteilung aus. Welche Lösung sinnvoller ist, hängt vor allem vom Gebäudetyp, den baulichen Rahmenbedingungen und dem Umfang einer geplanten Sanierung ab.

Zentrale Wohnungslüftung: Komfortlösung für das gesamte Gebäude

Zentrale Lüftungssysteme gelten als komfortabelste Lösung. Sie werden vor allem im Neubau sowie bei umfassenden energetischen Sanierungen eingesetzt. Kernstück der Anlage ist ein zentrales Lüftungsgerät mit Zu- und Abluftventilatoren, hochwertigen Filtern und umfassender Regelungstechnik. Von dort aus wird die Luft über zwei getrennte Kanalnetze im Gebäude verteilt.

Die frische Außenluft gelangt über Zuluftkanäle in Wohn-, Schlaf- und Kinderzimmer. Gleichzeitig wird verbrauchte Luft aus Küche, Bad, WC, Hauswirtschafts- und Nebenräumen über die Abluftkanäle abgesaugt. Dadurch entsteht ein kontinuierlicher und bedarfsgerechter Luftstrom durch das gesamte Gebäude.

Zentrale Systeme bieten eine sehr gleichmäßige Luftverteilung und hohe Luftqualität. Dank großer Filterflächen lassen sich Staub, Pollen und andere Partikel wirksam zurückhalten. Darüber hinaus ermöglichen moderne Regelsysteme eine automatische Anpassung der Luftmengen anhand von Feuchte-, CO₂- oder Präsenzsensoren. Dadurch werden sowohl das Raumklima und damit der Wohnkomfort als auch die Energieeffizienz der Lüftungsanlage optimiert.

Wärmerückgewinnung bei zentralen Lüftungssystemen

Ein wesentlicher Vorteil zentraler Zu- und Abluftanlagen liegt in der besonders effizienten Wärmerückgewinnung. Bevor die verbrauchte Abluft das Gebäude verlässt, wird ihre Wärmeenergie genutzt, um die gleichzeitig angesaugte Außenluft vorzuwärmen.

Zum Einsatz kommt überwiegend ein sogenannter Kreuz-Gegenstrom-Plattenwärmetauscher, der im Lüftungsgerät integriert ist. Dabei strömen Zu- und Abluft getrennt voneinander durch den Wärmeübertrager. Die Wärme wird übertragen, ohne dass sich die Luftströme vermischen.

Moderne Geräte erreichen Wärmerückgewinnungsgrade von bis zu 95 Prozent. Selbst bei niedrigen Außentemperaturen gelangt dadurch bereits vorgewärmte Frischluft in die Wohnräume. Das reduziert die Heizlast des Gebäudes und erhöht gleichzeitig den thermischen Komfort.

Besonders interessant sind sogenannte Enthalpie-Wärmetauscher. Sie übertragen über eine spezielle Membran, die für Gase und Gerüche undurchlässig ist, nicht nur Wärme, sondern auch einen Großteil der in der Abluft enthaltenen Feuchtigkeit auf die Zuluft (bis zu über 70 %). Während der Heizperiode kann dies einer zu trockenen Außen- bzw. Raumluft entgegenwirken und das Wohnklima spürbar verbessern.

Übrigens: Im Sommer verhindert eine integrierte, automatische Bypass-Schaltung, dass die einströmende Außenluft ungewollt erwärmt wird. So lässt sich auch die oft kühlere Nachtluft direkt zur Raumtemperaturabsenkung nutzen.

Tipp: Zusätzliche Effizienzpotenziale bieten ergänzende Erdreichwärmetauscher. Sie nutzen die ganzjährig relativ konstanten Temperaturen des Erdreichs, um die Außenluft im Winter vorzuwärmen und im Sommer leicht abzukühlen. Dadurch sinkt der Energiebedarf der Anlage weiter und der Wohnkomfort steigt. Hinweis: Die Wärme- bzw. Kühl-Energie lässt sich entweder direkt mittels eines langen, hygienisch im Erdreich verlegten Lüftungsrohr oder indirekt, und somit besonders hygienisch, über eine Wärmepumpe erschließen.

Dezentrale Wohnungslüftung: Die flexible Alternative

Insbesondere bei Bestandsgebäuden stößt die zentrale Lösung häufig an bauliche oder wirtschaftliche Grenzen. Zudem müssen nicht immer alle Bereiche be- und entlüftet werden. Manchmal sind maschinelle Lüftungslösungen nur für einzelne Räume, z. B. bei erhöhtem Feuchteeintrag, erforderlich. In solchen Fällen spielen dezentrale Lüftungssysteme ihre Stärken aus. Die Geräte werden direkt in die Außenwand eingebaut und versorgen einzelne Räume unabhängig voneinander mit Frischluft. Luftkanäle sind nicht erforderlich, wodurch sich der Installations- und Kostenaufwand deutlich reduziert. In der Praxis kommen vor allem zwei generelle dezentrale Systemlösungen zum Einsatz:

  • Kontinuierlich arbeitende Zu- und Abluftgeräte verfügen über getrennte Ventilatoren für Zu- und Abluft. Beide Luftströme werden gleichzeitig geführt, wodurch ein kontinuierlicher Luftaustausch entsteht. Die Funktionsweise ähnelt der eines zentralen Systems, allerdings ohne kanalgebundene Luftverteilung.
  • Eine weitere verbreitete Variante arbeitet im sogenannten Push-Pull-, Pendel- oder Wechselbetrieb. Dabei wechseln die Geräte etwa alle 50 bis 70 Sekunden zwischen Zu- und Abluftbetrieb. Mindestens zwei Geräte arbeiten dabei aufeinander abgestimmt. Während ein Gerät Abluft nach außen transportiert, führt das andere frische Außenluft in den Raum. Anschließend wechseln beide ihre Funktion.

Wärmerückgewinnung bei dezentralen Systemen

Auch dezentrale Lüftungssysteme verfügen heute meist über eine integrierte Wärmerückgewinnung. Bei kontinuierlich arbeitenden Geräten erfolgt die Wärmeübertragung über kompakte Wärmetauscher im Gerät. Bei Pendellüftern kommt häufig ein keramischer Wärmespeicher zum Einsatz. Während der Abluftphase nimmt dieser die Wärmeenergie der Raumluft auf. Nach dem Richtungswechsel gibt der Speicher die Wärme an die einströmende Außenluft ab.

Dadurch erreichen auch dezentrale Systeme hohe Wärmerückgewinnungsraten und leisten einen wichtigen Beitrag zur Senkung der Lüftungswärmeverluste. Zwar bieten zentrale Anlagen aufgrund ihrer größeren Wärmeübertragerflächen meist höhere Wirkungsgrade; in der Praxis können jedoch auch hochwertige dezentrale Systeme Wärmerückgewinnungsgrade von deutlich über 80 Prozent erreichen und damit sehr gute energetische Ergebnisse erzielen.

Wie viel Energie lässt sich durch Wärmerückgewinnung einsparen?

Der größte energetische Vorteil moderner Wohnungslüftung liegt in der Rückgewinnung der ansonsten verlorenen Abluftwärme. Während bei der Fensterlüftung im Winter die erwärmte Raumluft komplett ungenutzt ins Freie gelangt, verbleibt hier ein Großteil der wertvollen Energie im Gebäude.

Je nach Gebäudestandard und Nutzerverhalten können Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung die Lüftungswärmeverluste um bis zu 90 Prozent reduzieren. In modernisierten Bestandsgebäuden liegen die Einsparpotenziale häufig bei 20 bis 30 Prozent der Heizkosten. Bei besonders energieeffizienten Neubauten, Niedrigenergie- und Passivhäusern sind sogar Einsparungen von 40 bis 50 Prozent möglich. Hintergrund: Je dichter und besser gedämmt ein Gebäude ist, desto stärker fällt der Einspareffekt ins Gewicht. Denn mit sinkenden Transmissionswärmeverlusten über Dach, Fassade und Fenster steigt der Anteil der Lüftungswärmeverluste am gesamten Energiebedarf.

Wärmepumpe und Lüftungsanlage: Eine effiziente Kombination

Besonders interessant ist die Kombination von Wohnungslüftung und Wärmepumpe. Durch die Wärmerückgewinnung sinkt die Heizlast des Gebäudes, sodass die Wärmepumpe weniger Energie bereitstellen muss.

Untersuchungen zeigen, dass sich die Effizienz von Wärmepumpensystemen durch eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung spürbar verbessern kann. Die Wärmepumpe arbeitet gleichmäßiger, Lastspitzen werden reduziert und die Jahresarbeitszahl steigt.

Eine aktuelle Studie des Instituts für Technische Gebäudeausrüstung (ITG) Dresden kommt zu dem Ergebnis, dass sich die Effizienz von Wärmepumpen im Durchschnitt um rund 15 Prozent steigern lässt. In typischen Neubauten erhöht sich die Jahresarbeitszahl (SCOP) beispielsweise von etwa 4,4 auf rund 5,0. Dadurch sinkt der Strombedarf der Wärmepumpe je nach Gebäude und Betriebsbedingungen um rund 10 bis 15 Prozent.

Mehr als Energieeffizienz: Weitere Vorteile moderner Lüftungssysteme

Die Energieeinsparung ist nur einer von mehreren Vorteilen kontrollierter Wohnungslüftung. Ebenso wichtig ist der Schutz der Bausubstanz. Durch den kontinuierlichen Abtransport von Feuchtigkeit sinkt das Risiko für Schimmelbildung und Feuchteschäden deutlich.

Darüber hinaus verbessert sich die Raumluftqualität dauerhaft. Filter halten Pollen, Staub und Insekten zurück, während Kohlendioxid und Gerüche zuverlässig abgeführt werden. Geschlossene Fenster können zudem den Schallschutz erhöhen und den Einbruchschutz verbessern.

Aus diesen Gründen steigern moderne Lüftungssysteme den Wohnkomfort und tragen zum langfristigen Werterhalt der Immobilie bei.

Fazit

Ob zentral oder dezentral: Moderne Wohnungslüftungssysteme sorgen für einen kontrollierten Luftaustausch und schaffen die Grundlage für gesundes, komfortables Wohnen. Welche Lösung die richtige ist, hängt in erster Linie von den baulichen Gegebenheiten und den Anforderungen des jeweiligen Projekts ab.

Ihr volles Potenzial entfalten beide Systeme durch die integrierte Wärmerückgewinnung. Sie reduziert die Lüftungswärmeverluste erheblich, senkt den Heizenergiebedarf und verbessert die Effizienz moderner Heizsysteme. Damit gehört die kontrollierte Wohnungslüftung heute zu den wichtigsten Bausteinen energieeffizienter Wohngebäude.

Tipp: Für den Einbau von Lüftungsanlagen gibt es in bestimmten Fällen auch staatliche Fördermittel, z. B. vom BAFA und von der KfW.

Über den Autor

Dipl.-Ing. Jürgen Wendnagel ist Fachjournalist und Experte für Technische Gebäudeausrüstung (TGA). Seit mehr als 25 Jahren begleitet er die Entwicklung von Heiz- und Wärmetechnik, erneuerbaren Energien sowie Lüftungs- und Klimatechnik im Wohngebäude. Für die Initiative „Intelligent heizen“ bewertet er Trends im Wärmemarkt und gibt Hauseigentümern fundierte Orientierung zu Fördermöglichkeiten und gesetzlichen Vorgaben.

Foto Header: Vlada Karpovich: https://www.pexels.com/

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