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Frost, Stromausfall und Wärmepumpen: Was ist zu beachten?

Mehrtägige Stromausfälle – wie Anfang Januar in Berlin – sorgen für zunehmende Unsicherheit bei Hausbesitzern, die mit einer Wärmepumpe heizen, vor allem solchen mit dem klimafreundlichen Propangas-Kältemittel R290. In Extremszenarien kann das Einfrieren von Heizleitungswasser im Außengerät zu Totalschäden und im schlimmsten Fall zu gefährlichen Propanaustritten führen – bis hin zur Explosionsgefahr.

Doch wie real sind diese Risiken, wie gut sind moderne Systeme geschützt und welche technischen sowie praktischen Schutzmaßnahmen gibt es für Verbraucher? Wir sprechen mit einem Wärmepumpenexperten darüber.

Wie realistisch ist die Gefahr, dass Wärmepumpen bei einem mehrtägigen Blackout beschädigt werden?

André Jacob: Grundsätzlich sind elektrotechnische oder mechanische Schäden bei einem so außergewöhnlich langen Stromausfall möglich und können alle Bauteilgruppen betreffen – wie bei jeder anderen Heizungsanlage auch. Kurzfristige Stromausfälle von wenigen Stunden überbrücken alle Heizungssysteme in der Regel ohne Probleme, so auch Wärmepumpen. Das Zufrieren von Heizungsrohren, Zuleitungen oder anderen Anlagenkomponenten ist ein besonderes Risiko bei außergewöhnlich langen Stromausfällen, das alle wasserführenden Heizungsanlagen betreffen kann. Eine pauschale Aussage zu möglichen Schäden ist aufgrund der unterschiedlichen Umstände nicht möglich: Die Aufstellsituation, Lage des Hauses, die Konstruktion der Wärmepumpe sowie die Länge der Witterungsverhältnisse sind hier bedeutende Einflussfaktoren.

Welche Rolle spielt das verwendete Kältemittel (z. B. Propan R290) für die Sicherheit, und wie gut schützen bestehende technische Sicherheitskonzepte tatsächlich vor gefährlichen Folgen eines Stromausfalls?

André Jacob: Kältemittel werden in unterschiedliche Sicherheitsklassen eingestuft, u.a. abhängig von der Entflammbarkeit. Das Kältemittel R290 weist eine höhere Entflammbarkeit auf. Sofern Wärmepumpen, die mit R290 betrieben werden, fach- und sachgerecht nach Normen und Herstellerangaben installiert werden, ist die Explosion einer entsprechenden Anlage mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit – analog zum extrem geringen Explosionsrisiko im Umfeld einer Gasheizung. Der Übertritt von Kältemittel in das Gebäude durch einen Riss im Wärmetauscher wird bei qualitativ hochwertigen Wärmepumpen durch unterschiedliche konstruktive Maßnahmen ausgeschlossen. Zu diesen zählen Gasabscheider, doppelwandige Wärmetauscher oder automatische Entleerungsventile.

Welche konkreten Maßnahmen empfehlen Sie Hausbesitzern mit Wärmepumpe für den Fall eines länger andauernden Stromausfalls?

André Jacob: Eine Inbetriebnahme sollte nach einer mehrtägigen Frostphase ohne Stromversorgung von einem Fachhandwerker vorgenommen werden. Der Betreiber sollte die Wärmepumpe vom Netz trennen (Notausschalter bestätigen oder Sicherung raus). Das verhindert ein automatisches Einschalten der eingefrorenen Anlage, sobald Netzstrom verfügbar ist. Diese Maßnahme kann auch telefonisch an den Anlagenbetreiber kommuniziert werden, sofern der Fachbetrieb nicht unmittelbar vor Ort sein kann.
Das Vorgehen soll möglichen Schäden an der Elektronik durch instabile Netzverhältnisse bei Wiederzuschaltung des Stromnetzes vorbeugen.

Über den Interview-Partner

Über den Interview-Partner

André Jacob ist Leiter Technik beim Bundesverband Wärmepumpe (BWP) e.V.

Foto: Porträtfoto Bundesverband Wärmepumpe (BWP), Bild Wärmepumpe: Wolf GmbH

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