Welche Heizung passt zu meinem Haus? Was kostet der Umstieg? Und welche Förderung ist möglich? Viele Eigenheimbesitzer stehen beim Thema Heizungstausch vor genau diesen Fragen.
Mit den Aktionstagen „Heizkeller der Zukunft“ bringt das Land NRW gemeinsam mit Partnern Beratung, Handwerk und Technik direkt in die Regionen. Im Interview erklärt Leila Morgenroth vom Öko-Zentrum NRW, wie die Veranstaltungsreihe Verbraucherinnen und Verbraucher unterstützt – und warum persönliche Beratung vor Ort so wichtig für die Wärmewende ist.
Frau Morgenroth, mit den Aktionstagen „Heizkeller der Zukunft“ sollen Eigentümerinnen und Eigentümer beim Thema Heizungstausch unterstützt werden. Was ist das zentrale Ziel der Veranstaltungsreihe?
Leila Morgenroth: Viele Personen mit Eigentum wissen, dass sie irgendwann eine Heizung erneuern müssen – aber der Weg dahin kommt vielen kompliziert vor und man überlegt, ob man auf Altbewährtes setzt oder verändert auf eine klimafreundliche Lösung. Welche Heizung passt zu meinem Haus? Was kostet das? Welche Förderung bekomme ich? Wen rufe ich zuerst an?
Genau hier setzen die Aktionstage an. Die 16 Aktionstage sind ein sichtbarer und praxisnaher Baustein der Initiative „Heizkeller der Zukunft“, mit der das Ministerium für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie gemeinsam mit Partnern die Wärmewende in NRW vorantreiben will.
Dafür kommt die Unterstützung direkt in die Region, statt dass sich Menschen auf eigene Faust durch die Vielfalt aus Angeboten, Fördermöglichkeiten und Gerüchten arbeiten müssen. An einem Aktionstag sind Handwerk, Energieberatung, Schornsteinfeger, Industrie und Verbraucherverbände als Fachleute vertreten, die regional vor Ort tätig sind, auf einem Fleck verfügbar – für direkte Gespräche, konkrete Fragen und zur Terminabsprache, um gemeinsam in die Umsetzung zu kommen.
Das Ziel ist, dass jede und jeder die Veranstaltung mit einem klaren Bild verlässt, welche nächsten Schritte für den eigenen Heizungstausch sinnvoll sind. Damit sich Eigentümerinnen und Eigentümer informiert sehen und dabei unterstützt werden, die für sie individuell passende klimafreundliche Heizlösung zu finden – und sie dann auch umzusetzen.
Was erwartet die Teilnehmerinnen und Teilnehmer konkret vor Ort – und welche Fragen rund um Heizungstausch, Wärmepumpe und Beratung können dort beantwortet werden?
Leila Morgenroth: Die Aktionstage sind bewusst als offenes Format gestaltet, keine reine frontale Informationsveranstaltung. Es gibt Fachvorträge, die ohne Vorwissen verständlich sind, und eine kleine Messe mit den Akteuren, die man für den Heizungstausch braucht, also lokale Energieberatende, Handwerksbetriebe und weitere Ansprechpartner aus der Region, als auch Hersteller von Wärmepumpen – damit die Technik greifbar wird. Den ganzen Tag können Besucherinnen und Besucher das Gespräch mit lokalen Fachbetrieben und Beratenden suchen: Wer schon konkrete Pläne hat, bekommt auf letzte Fragen Antworten. Wer noch ganz am Anfang oder mittendrin steht, kann dort ebenfalls direkt ins Gespräch kommen – und Fragen stellen, die sonst oft zu kurz kommen: Lohnt sich eine Wärmepumpe bei meinem Altbau? Muss ich vorher dämmen? Brauche ich wirklich andere oder viel mehr Heizkörper? Was ist mit meiner Fußbodenheizung? Bei den Vorträgen werden die wichtigsten Informationen rund um die Umstellung der Heizung vermittelt, an vielen Orten von Privatpersonen selber berichtet, wie ihr Weg zum Heizungstausch zur Wärmepumpe war und Kommunen berichten, was sich vor Ort tut und möglicherweise, was der Stand der kommunalen Wärmeplanung ist.

Wie ist die Idee zu den Aktionstagen entstanden – und warum ist gerade ein praxisnahes Format vor Ort wichtig, um Menschen beim Heizungstausch Orientierung zu geben?
Leila Morgenroth: Die Idee entstand aus einer einfachen Beobachtung: Informationen zum Heizungstausch gibt es viele – aber sie sind verstreut, oft schwer verständlich und selten auf die eigene Region zugeschnitten. Gleichzeitig wissen wir aus unserer Erfahrung mit der „Woche der Wärmepumpe“ 2024, dass das persönliche Gespräch vor Ort etwas bewirkt, was kein Ratgeber im Internet leisten kann: Es baut Vertrauen auf. Wenn jemand eine echte Wärmepumpe anfassen kann, einen lokalen Handwerker kennenlernt und merkt, dass andere in der Nachbarschaft denselben Schritt schon gegangen sind – dann wird aus einem vagen Vorhaben ein konkreter Plan. Genau deshalb haben das Land NRW und verschiedene Partner aus den einschlägigen Fachbereichen Heizungsbau, Elektro, Energieberatung, Schornsteinfeger usw. sich mit einer gemeinsamen Absichtserklärung positioniert und die Aktionstage „Heizkeller der Zukunft“ wurden ins Leben gerufen: 16 Mal in ganz NRW, nah an den Menschen, die diesen Schritt gehen wollen.
Um die Wärmewende weiter umzusetzen, gilt es allein in NRW bis 2045 rund 3,7 Millionen zusätzliche Wärmepumpen einzubauen – das ist eine enorme Aufgabe, die nur gelingt, wenn die Umsetzung wirklich in der Fläche ankommt und Hilfestellung geleistet wird, damit Eigentümerinnen und Eigentümer sich unterstützt und in der Lage fühlen, ihr Haus umzurüsten.
Denn klar ist auch, es scheitert selten am Willen und der Bereitschaft, sondern an der Orientierung. Der Heizungsmarkt ist komplex, die Angebote vielfältig und es kursieren Verunsicherungen. Als Privatperson alle relevanten Gewerke, Beratungsangebote und Förderwege unter einen Hut zu bringen, kann sich mühsam anfühlen. Das praxisnahe Format vor Ort löst dieses Problem: Statt Informationen kleinteilig zusammenzusuchen, finden Eigentümerinnen und Eigentümer an einem Aktionstag einen niederschwelligen Zugang zu hochwertiger, ganzheitlicher Beratung – und können gut informiert entscheiden, welche klimafreundliche Heizlösung am besten zu ihrem Zuhause passt.

Über die Interview-Partnerin
Leila Morgenroth ist Projektleiterin für Kommunikation & Umsetzung Wärmewende beim Öko-Zentrum NRW.
Foto Header: VdZ; Porträtfoto: Öko-Zentrum NRW
