Zeit für die Energiewende im Eigenheim!

Neue Technologien bei Heizsystemen sind häufig kombinierbar, klimafreundlich und effizient. In unserer Interview-Reihe „Effizient und klimaschonend heizen“ stellen Experten moderne Technologien vor. Wie die Wärmepumpe den Heizungsmarkt verändern wird, erläutert Henning Schulz, der sein Expertenwissen in die Arbeit der VdZ einbringt und hauptberuflich für Stiebel Eltron tätig ist.

Herr Schulz, die Wärmepumpe behauptet seit 2018 ihre Spitzenposition bei Heizsystemen im Neubau. Warum ist die Wärmepumpe so beliebt?

Henning Schulz: Die Wärmepumpe ist deswegen im Neubau so beliebt, weil sie sehr effizient arbeitet und darüber hinaus das ökologischste Heizsystem ist. Der große Vorteil besteht darin, dass sie die Energie der Umwelt nutzt und zwar so gut, dass sie die diesbezüglichen energetischen Vorgaben des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) in der Regel problemlos erfüllt. Außerdem steigert eine Wärmepumpe massiv den Wert des Hauses, weil Bauherren eine effiziente zukunftssichere Technik bekommen, die auch im Hinblick auf künftige Energiekostenentwicklungen überzeugt.

Wie sieht das im Altbau aus?  

Henning Schulz: Mittlerweile sind Luftwärmepumpen von namhaften Herstellern so gut, dass diese relativ problemlos mit Heizungskörpern arbeiten können. In der Regel erzielen diese außerdem einen guten Effizienzwert, der an der Jahresarbeitszahl ablesbar ist, und durchaus einen Wert von 3 übersteigen kann. Das bedeutet: aus einer Kilowattstunde Strom macht die Luftwärmepumpe mehr als drei Kilowattstunden Wärme. Dass man das Haus komplett dämmen muss, oder dass es nur funktioniert, wenn man eine Fußbodenheizung hat, ist Blödsinn. Das mag vor 15 Jahren so gewesen sein, heute ist die Technik allerdings so ausgereift, dass das nicht zwingend erforderlich ist.

Wie schneidet die Wärmepumpe in puncto Energieeffizienz und Betriebskosten gegenüber anderen Heizsystemen ab? 

Henning Schulz: Bei den Betriebskosten im Moment, Stand August 2020, liegt die Luftwärmepumpe in etwa gleich mit dem Gaskessel. Allerdings erfordert die Wärmepumpe eine höhere Investition. Das wird relativ gut aufgefangen von der aktuellen Förderung: 35 Prozent der kompletten Kosten bekommen Modernisierer vom Staat, sowohl im Altbau wie auch im Neubau. Komplette Kosten heißt: alle Investitions- und Umsetzungskosten, die mit dem Einbau zu tun haben. Beim Austausch eines Ölkessels sind es sogar 45 Prozent. Dadurch werden die Investitionskosten ein Stück weit aufgefangen. Aber es bleibt eine bewusste Entscheidung des Bauherrn.

Welche Rolle spielt die Wärmepumpe beim Erfüllen der Klimaziele und wie ist der aktuelle Stand?

Henning Schulz: Nach Schätzungen des BDI brauchen wir sechs Millionen Wärmepumpen im Gebäudebestand, um die Klimaziele bis 2030 zu erreichen. In Deutschland ist Ende 2020 die einmillionste Wärmepumpe in Betrieb gegangen. In den nächsten zehn Jahren fehlen uns also fünf Millionen Wärmepumpen. Wir von der Heizungsindustrie gehen davon aus, dass die Bundesregierung relativ zügig nachsteuern wird. Das heißt, dass die CO2– Abgabe stärker als ohnehin geplant steigen und der Strompreis entlastet wird. Welche Maßnahmen dahinter liegen, ist für uns erst mal zweitrangig. Aber die Heizungsindustrie braucht einen verlässlichen Ausbaupfad.

Was spricht für eine Wärmepumpe?

Henning Schulz: Jede Wärmepumpe spart CO2 und mit dem immer grüneren Strommix wird auch die Wärmepumpe noch grüner. Wenn irgend möglich, würde ich immer auf eine Wärmepumpe gehen. Schließlich ist das eine Entscheidung für die nächsten fünfzehn Jahre. Das sollte man sich bewusst machen.

Die Wärmepumpe ist außerdem ein Kombinationskünstler – welche Verbindungen sind besonders günstig? 

Henning Schulz: Die Wärmpumpe ist schon für sich top! Besonders passend ist die Kombination mit einer Photovoltaikanlage auf dem Dach, denn den Strom, den Sie damit produzieren, können Sie nicht nur für die Wärmepumpe nutzen, sondern für alles Mögliche, beispielsweise, um die Batterie Ihres Elektroautos aufzuladen. Auch andere Kombinationen mit stromerzeugenden Systemen wie zum Beispiel einem Blockheizkraftwerk (BHKW) bei größeren Wohnanlagen sind denkbar.

Wie ist Ihre Prognose für die Wärmepumpe?

Henning Schulz: Wir werden häufiger gefragt, wo die Reise denn hingeht: Ist es vielleicht Wasserstoff oder die Brennstoffzelle? Und das ärgert mich, weil ‚das nächste große Ding‘ längst verfügbar ist, und das seit Mitte der 70er Jahre: die Wärmepumpe.  Da sind wir uns ganz sicher. Die Wärmepumpe wird den Heizungsmarkt der Welt entscheidend mitbestimmen. Natürlich werden die Wärmepumpen auch immer besser. Sie werden leiser und zuverlässiger, es wird bessere Kältemittel geben und die Effizienz wird gesteigert. Entscheidend allerdings ist, dass die Heizungsindustrie in Deutschland auf mehr Stückzahlen kommen muss, wenn sie den Anschluss nicht verlieren möchte.

Henning Schulz

Über den Interview-Partner
Henning Schulz ist hauptberuflich für Stiebel Eltron tätig und bringt sein Expertenwissen in die Arbeit der VdZ ein.

Nächster Beitrag:

Im zweiten Teil unserer Interview-Reihe „Effizient und klimaschonend heizen“ stellen wir die Brennstoffzelle genauer vor.


Mit dem hydraulischen Abgleich von staatlichen Zuschüssen profitieren

Effizient und klimaschonend heizen – Teil 2

Strom und Wärme im Doppelpack: die Brennstoffzelle

Bildnachweis: © privat