Wärmepumpen werden mit 35 Prozent gefördert. Ersetzen diese eine alte Ölheizung beträgt die Förderung sogar 45 Prozent

Bis 2050 soll der Gebäudebestand in Deutschland nahezu klimaneutral sein. Um dieses Ziel zu erreichen, hat der Staat 2020 die Fördermittel für energieeffiziente und erneuerbare Heiztechnik aufgestockt. In unserer 6-teiligen Serie „Fördermittel nutzen“ stellen Experten aus unterschiedlichen Fachbereichen das breite Spektrum der staatlichen Förderung vor.

Unsere Serie „Fördermittel nutzen“ gibt einen Überblick über die neuen Fördermöglichkeiten und deren Vorteile. Im ersten Teil erläutert Frederic Leers vom Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie (BDH), warum gerade jetzt der richtige Zeitpunkt für eine Heizungsmodernisierung ist.

Im Rahmen des Klimapakets hat die Bundesregierung zu Beginn dieses Jahres das novellierte Marktanreizprogramm (MAP) in Kraft gesetzt. Das hat auf der einen Seite zu mehr Übersichtlichkeit geführt, zum anderen bedeutet es mehr Geld vom Staat für die Installation von Heizsystemen auf Basis erneuerbarer Energien. Wer sich jetzt für die Modernisierung seiner Heizung entscheidet, kann von bis zu 45 Prozent Förderung profitieren.

Neue Förderkulisse: Warum sich die Heizungsmodernisierung jetzt richtig lohnt

Der Gebäudebereich ist der größte Energieverbrauchsektor Deutschlands. Bei einem Endenergieverbrauch von insgesamt rund 2.500 Terrawattstunden (TWh), entfallen auf die Beheizung und die Warmwasserbereitung rund 790 TWh. Zugleich schlummern rund 12 Millionen veraltete Anlagen in den Heizungskellern der Nation. Diese sind nicht mehr auf dem Stand der Technik und verbrauchen zu viel Energie. Zur Erreichung der Klimaschutzziele und um die enormen CO2-Minderungspotenziale des Wärmemarktes im Sinne des Klimaschutzes zu heben, hat die Politik ein attraktives Förderpaket geschnürt.

Die neue Förderung „Heizen mit erneuerbaren Energien“ kann über das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) beantragt werden und wird auch über dieses ausgezahlt. Unbedingt zu beachten ist, dass die Beantragung vor der Heizungsinstallation geschehen muss. Die neue Förderung gilt grundsätzlich für solche Heizungen, die vollständig oder anteilig erneuerbare Energien nutzen. Das betrifft Wärmepumpen, Biomasseanlagen (z. B. Pelletkessel) oder solarthermische Anlagen. Außerdem werden so genannte Hybridheizungen gefördert, also Systeme, die teilweise erneuerbare und teilweise Gas als Energieträger nutzen. Zusätzliche 10 Prozentpunkte gewährt der Gesetzgeber beim Austausch einer alten Ölheizung. Öl-Brennwertheizungen dürfen im Übrigen auch weiterhin installiert werden, profitieren jedoch als Einzellösung nicht von der Förderung. Werden sie wiederum z. B. mit einer solarthermischen Anlage kombiniert, ist der solarthermische Teil förderfähig.

Förderübersicht: Heizen mit erneuerbaren Energie

Förderübersicht: Heizen mit erneuerbaren Energien (Stand: 21. August 2020, Quelle BAFA) – Bild klicken, um die Tabelle zu vergrößern.

Je höher der Anteil erneuerbarer Energien, desto höher die Förderung

Mit 35 Prozent an den Gesamtkosten beteiligt sich der Staat an der Finanzierung solcher Heizungen, die ausschließlich erneuerbare Energien nutzen. Dies trifft zum Beispiel auf die Wärmepumpe zu. Ersetzt diese eine Ölheizung, erhöht sich der Fördersatz sogar auf 45 Prozent.

Eine Gas-Hybridheizung wird mit 30 Prozent gefördert. Auch hier gibt es eine Austauschprämie von zusätzlich 10 Prozent, wenn das neue Heizsystem eine Ölheizung ersetzt. Außerdem werden Gas-Brennwertgeräte bezuschusst, die „renewable ready“ sind. Das bedeutet: Das Gas-Brennwertgerät ist bereits für die nachträgliche Kopplung mit erneuerbaren Energieträgern wie Solarthermie oder Wärmepumpe vorbereitet. Eine solche Hybridheizung – meistens ein Gas-Brennwertgerät plus ein Multifunktionsspeicher – wird mit 20 Prozent gefördert. Das System zur Einkopplung der Umweltwärme ist innerhalb von zwei Jahren nachträglich zu installieren.

Förderung deckt auch Installationskosten und Umfeldmaßnahmen ab

Als förderfähige Investitions­kosten gelten grundsätzlich die An­schaffungs­kosten des geförderten Wärmeerzeugers, die Kosten für Installation und Inbetriebnahme sowie die Kosten der so genannten Umfeldmaßnahmen.

Als Umfeldmaßnahmen definiert das BAFA alle Arbeiten, die für den Einbau eines förderfähigen Heizsystems erforderlich sind. Wer zum Beispiel eine Wärmepumpe installiert, kann die Flächenheizung in die Förderung einbeziehen, da diese Maßnahme die Effizienz der Heizung verbessert. Dies gilt allerdings nur für den Gebäudebestand. Weiterhin sind auch alle Bauteile und Arbeiten förderfähig, die dem hydraulischen Abgleich einer Wärmeverteilung über Heizkörper dienen. Der Austausch alter Heizkörper gegen Niedertemperatur-Heizkörper wird daher auch bezuschusst.

Zügige Umsetzung der Modernisierungsmaßnahme lohnt sich

Wer die neue Förderung beantragt, erhält mit der schriftlichen Zusage der MAP-Förderung vom BAFA einen sogenannten Bewilligungszeitraum von 12 Monaten. Innerhalb dieses Zeitraums muss die neue Heizung installiert und in Betrieb genommen werden. Nach Ablauf dieser Frist hat der Investor weitere 6 Monate Zeit, um die Rechnungen und den Verwendungsnachweis auf dem BAFA-Internetportal hochzuladen. Erst nach Prüfung dieser Unterlagen zahlt das Bundesamt den Zuschuss. Eine zügige Abwicklung des Vorhabens lohnt sich also.

Mit der neuen Förderkulisse kommt nun endlich Schwung in die Wärmewende. Das bestätigen auch die seit Beginn des Jahres deutlich gestiegenen Antragszahlen des BAFA. Wer seine private Energie- und Wärmewende starten möchte, sollte sich jetzt über die neue Förderung informieren. Noch nie hat sich die Heizungsmodernisierung mehr gelohnt.

Nächster Beitrag:

Im zweiten Beitrag unserer Reihe schildern Florian Wiemeyer und Heinz Eckard Beele, welchen ökonomischen wie ökologischen Nutzen die Steigerung der Energieeffizienz durch Optimierungsmaßnahmen wie der Durchführung eines hydraulischen Abgleichs hat und wie Hausbesitzer auch hier von der stattlichen Förderung profitieren.


Mit dem hydraulischen Abgleich von staatlichen Zuschüssen profitieren

Fördermittel nutzen - Teil 2

Mit dem hydraulischen Abgleich von staatlichen Zuschüssen profitieren

Frederic Leers vom Bundeverband der Deutschen Heizungsindustrie (BDH)

Über den Autor

Frederic Leers ist Projektleiter für PR und Marketing im Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie (BDH) und bringt sein Expertenwissen in die Projektarbeit der VdZ ein.

Bildnachweis: © BDH (Beitragsbild), privat